Internationale Vorbilder im ZeSaBo

Lehrer der Bonn International School

©ZeSaBo

Was in deutschen Schulen nun immer mehr Einzug hält, ist in der Bonn International School (BIS) schon seit Jahrzehnten etabliert: ein umfangreiches Aktions-Programm, das das gesellschaftliche Engagement ihrer Schüler ab der Mittelstufe fördert. Hier geht es in erster Linie darum, grundlegende Komponenten wie Mitgefühl und Verantwortung den Schülern als Global Citizen im wahrsten Sinne des Wortes näher zu bringen. Aber nicht nur die Schüler entwickeln sich so im „Service in Action“ zu positiven Vorbildern – die Lehrer gehen beispielhaft voran.

Cristina V., Middle Years Programme-Service Coordinator, saß zufällig in einem Meeting, in dem Ehrenamtskoordinator Jan Meyer das Sachspendenlager vorstellte. Kurze Zeit später erhielt Herr Meyer die Einladung, an der BIS einen Vortrag über den Hintergrund und die ehrenamtliche Tätigkeit im ZeSaBo zu halten. Er erwähnte auch, dass in dem jungen und stark expandierenden Zentrallager von Sachspenden für Flüchtlinge und Bedürftige jede helfende Hand mit großer Freude begrüßt wird. Und so dauerte es nicht lange, bis eine ganze „Mannschaft“ aus dem Lehrer-Kollegium der Bonn International School an unsere Pforten klopfte.

An diesem vorweihnachtlichen Samstag begrüßte Uli K. (Kleidungspate) in formvollendetem Englisch unsere internationalen Gäste und führte sie durch das rege Gewusel der gut bestückten Lagerhallen. Viele mildtätige SpenderInnen hatten trotz der bevorstehenden Feiertage ihren Weg zu uns gefunden und tolle Sachen abgegeben. Die Qualität der Spenden von unseren nordstädtischen Nachbarn war wieder einmal unschlagbar, wie mir Uschi K. von der Spendenannahme begeistert erzählte. Um den Betreuern der Flüchtlingsunterkünfte solch wunderbare Dinge so schnell wie möglich in den Entnahmeregalen zugänglich zu machen, bedarf es aber einiger Arbeitsschritte. Und hier kam optimal die Hilfe der BIS-Lehrer zum Tragen.

Die 13 Helfer hatten sich schnell auf die verschiedenen Bereiche aufgeteilt, wo ihre Unterstützung am dringendsten benötigt wurde. Das Team um den Oberstufenleiter Simon V. arbeitete sich im Nullkommanichts an der Vorsortierungsstraße ein, welche einige Zeit zuvor von den Ford-Mitarbeitern aufgebaut worden war. Gemeinsam mit Jo H., Sukie D. und Thom H., der kraftvoll die Kleidungsstücke von ihren blauen Säcken befreite und nach vorne in die Sortierung schob, werkelten sich die acht fleißigen Hände geschickt durch die Wäscheberge. Simon V. bestach mit einer unvergleichlichen Wurftechnik und Treffsicherheit, wenn es darum ging, aus großer Entfernung Sachen in die entsprechenden Kisten zu zielen. Wie wir von beiden Seiten feststellten, war es bei dem rasanten Arbeitstempo gar nicht so leicht, die Fremdsprache des anderen adäquat der Geschwindigkeit anzupassen. Wenn man so schnell arbeitet, bedarf es tatsächlich einer gewissen Konzentration, Kleidung auf ihre Qualität zu prüfen, sie an den richtigen Bestimmungsort zu befördern und nebenbei komplexe Fremdsprachenkonversation zu betreiben. Umso lustiger wurde es, als sich dann der arabische Sprachschatz mit den ehrenamtlichen Helfern Fady F. und Mo T. zu unserem Team gesellte. Da aber gemeinsame Ziele immer gemeinsame Wege finden, machte es ein richtiges Vergnügen, auch diese dreisprachige Hürde zu meistern.

Die kostbare Arbeit der Spendenvorsortierung in die Kategorien Männer, Frauen, Kinder, Babys und Sonstiges ist der wesentliche Bestandteil für die darauffolgende Grobsortierung. In Halle I übernahmen Tyler H., seine Tochter Bianca H., Morgan S., Jeremy C., Mervin D., Nadine V., Natalie N., Anja K. und Cristine V. diesen nächsten Arbeitsschritt. Für die Abnehmer sind die Regale unserer 700 qm² großen Hallen mit Wäsche entsprechend ihrer Funktion bestückt. Das Männerregal bietet so z.B. Ober- und Unterbekleidung, die ihrerseits wieder in die Artikelgruppen: Hosen, Pullover, Hemden, T-Shirts, Socken, etc. eingeteilt ist. Also packten sich einige Lehrer um die Service-Koordinatorin Cristina V. die vorsortierten Kleidungsstücke und ordneten sie emsig auf den großen Tischen zu den entsprechenden Artikelgruppen. Dieses vorletzte Trennen der Kleidung ist, wie ebenfalls die Vorsortierung, etwas für Menschen mit Spaß an sofort sichtbaren Erfolgen. Denn es ist schon ein tolles Gefühl für ein Team, wenn in der gemeinsamen Aktion die Berge an Kleidung nur so „dahinschmelzen“. Die gut beschrifteten Artikelkisten lassen kaum eine Frage im Arbeitsablauf offen und so kam es, dass die fleißigen Helfer der International School schon nach einer kurzen Einleitung an diesem tollen Gefühl teilhaben konnten.

Wie mir Thom später vergnügt erzählte, erfüllte ihn das Wissen mit einem Glücksgefühl, dass die von ihm sortierten Winterjacken bei diesem nasskalten Wetter umgehend und auf direktem Weg die Bedürftigen erreichen. Kein Wunder, dass bei uns immer eine ausgelassene und fröhliche Stimmung herrscht, denn die Ehrenamtlichen und die Helfer erleben während ihrer Zeitspende, wie ihre Hilfe unmittelbar anderen Menschen zu Gute kommt. Meine eigene Freude verdoppelte sich zudem, als Cristina dem ZeSaBo eine Wiederholung der BIS-Unterstützung in Aussicht stellte. An dieser Stelle noch einmal ein dickes Dankeschön für Eure gewaltige Unterstützung. Wir freuen uns absolut auf das nächste Wiedersehen.

Wer unsere Hallen betritt, sieht sofort, mit wie viel Begeisterung und Herzblut sich die Ehrenamtlichen hier im Zentrallager engagieren. Und wenn man sich einmal bildlich vorstellt, wie viel Zeit das ordentliche Verräumen der Spendenstücke erfordert (wir haben gerade die 50.000er Grenze geknackt! Juchhu!), der weiß, wie kostbar seine Unterstützung für die vielen Bedürftigen ist.

Ganz ehrlich? Es ist herrlich, ein dynamischer Teil im Wandel der Gesellschaft zu sein. Wir hauchen mit unserem Engagement dem Geist des Mitgefühls tatkräftig das Leben ein.

Und es ist wahr: You get what you give! Denn genau dieser Geist, den auch die BIS in ihrem Schulprogramm vorbildlichen vertritt, ist der gleiche, der das Herz erfüllt und jeden Helfer mit einem zufriedenen Lächeln nach Hause gehen lässt…

Fotos©ZeSaBo