Erfolgreicher Start für die Zusammenarbeit mit dem LVR-Freilichtmuseum Kommern

Großer Bahnhof für alten Kinderwagen

Aubert Kinderwagen

©Michael Anding

Morgens halb zehn in Deutschland: „Das LVR-Freilichtmuseum Kommern kooperiert mit dem Bonner Zentrallager für Sachspenden. Dort können Menschen Sachspenden für Flüchtlinge abgeben. Das Freilichtmuseum ist auf der Suche nach älteren, historischen Gegenständen …“ Ehrenamtlerin Uschi Koch sitzt gerade beim Frühstück, hört erstaunt auf zu kauen und macht ihr Radio lauter. „… Kinderwagen aus den frühen 1970er-Jahren. Das Museum spendet dafür Hygieneartikel und Babywindeln für die Ausgabe an Flüchtlinge.“ Dann ist der Beitrag von Radio Bonn/Rhein-Sieg auch schon wieder vorbei.

25 SEKUNDEN RADIOBEITRAG FÜR ZWEI MONATE VORBEREITUNGSZEIT

Was in den Radionachrichten nur 25 Sekunden dauert, hat in der Vorbereitung fast zwei Monate in Anspruch genommen. Bereits am Nachmittag des 2. Juni wurde der weinrote Kinderwagen bei uns abgegeben. Schnell war klar, dass er für die Ausgabe an Flüchtlinge wenig geeignet ist. Er entspricht einfach nicht mehr dem Standard unserer Zeit. Ebenso schnell war aber auch klar, dass er in ein Museum gehört. An seiner tadellosen Velourbespannung, dem glänzenden Chromgestell und dem vollzähligen Zubehör sollten sich künftig mehr Menschen erfreuen können. Wir fanden, er passe perfekt ins Freilichtmuseum Kommern – die Verantwortlichen in Kommern sahen das genauso.

EINE PERFEKTE ZUSAMMENARBEIT BAHNT SICH AN

Es begannen Verhandlungen über die Modalitäten des Besitzerwechsels. Alle Beteiligten waren sich einig, dass nur ein Tauschgeschäft infrage käme. Was passt dafür besser als Babywindeln? Da wir in unserer Hygiene-Ecke aber keine Lagerfläche für tausende von Windeln haben und auch andere Hygieneartikel immer wieder dringend brauchen, einigten wir uns mit dem Museum auf eine Hälfte Windeln und die andere Hälfte zu gleichen Teilen Duschgel und Bodylotion. „Diese Artikel können wir über den zentralen Einkauf des LVR beschaffen. Bei unseren Einkaufbedingungen als Großkunde ist das auch viel wirtschaftlicher als für Sie im Einzelhandel“, erklärt uns Sammlungsleiterin Sabine Thomas-Ziegler. Was haben wir nur für einen perfekten Partner bekommen!

„IN EINEM SOLCHEN KINDERWAGEN HABE ICH AUCH GELEGEN!“

Während wir noch mit dem Museum über einen geeigneten Übergabetermin beratschlagen, weckt das schöne Stück Erinnerungen bei allen, die den Wagen bei uns in der Sortierhalle stehen sehen. So zum Beispiel auch bei Gudrun Meis de Benites. Unsere Kontaktperson beim Entwicklungspartner Deutsche Post DHL erzählt, dass sie früher auch in einem solchen Kinderwagen gelegen habe und legt den Beweis dafür gleich in Form von einigen alten Schwarz-Weiß-Fotos vor. „Später musste ich aber auf dem Sitz Platz nehmen, damit meine Schwester liegen konnte“, ergänzt sie. Einen solchen Sitz für ein älteres Geschwisterchen hat unser Luxuswagen natürlich auch.

TAUSCHE KINDERWAGEN GEGEN BABYWINDELN

„Ich hab’ schon das ganze Auto voller Babywindeln“, freut sich Museumsleiter Dr. Josef Mangold schon Tage vorher. Am Samstag, den 6 August um 15:00 Uhr ist es dann endlich soweit: Windeln und Wagen wechseln die Besitzer. Mangold und Thomas-Ziegler sind von dem hochwertigen Kinderwagen ebenso begeistert wie wir und nehmen ihn sofort gründlich in Augenschein: Verdeck öffnen und schließen, Regenhaube überziehen und den Klappmechanismus für den Transport im Auto ausprobieren. Der war damals in den frühen 1970er Jahren nämlich der neueste Schrei. Durch die zunehmende Mobilisierung setzte sich das zusammenklappbare Untergestell durch, damit man den Kinderwagen auch gut im Kofferraum verstauen konnte. Alles funktioniert bei unserem Kinderwagen tadellos, und die beiden finden: „Der passt wirklich prima in unsere neue Baugruppe ‚Marktplatz Rheinland’“. Diese widmet sich den Häusern und der Sachkultur aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Kinderwagen wird darin einen Ehrenplatz erhalten.

ALLE SIND ZUM TAUSCH GEKOMMEN

Zum Tauschtermin findet ein großer Bahnhof im Zentrallager statt. Viele sind gekommen, um unserem Kinderwagen die Ehre zu erweisen: Ehrenamtlerin Uschi Koch und viele weitere Helfer, Reporter und Fotografen von Bonner Rundschau, General-Anzeiger und Schaufenster, unser eigener Fotograf Michael Anding, Nils Reinartz von unserem Träger Bundesstadt Bonn und Hassan-Dirk Yücelli samt Ehefrau von unserem Entwicklungspartner DRK. Sie alle sind dabei, als unser Kinderwagen seine Reise ins Museum antritt.

Mach’s gut, altes Schätzchen, und viel Spaß in deinem neuen Zuhause!

Fotos©ZeSaBo